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Tom of Finland
(1920-1991)
Schwule Comics,
die die schwule Welt veränderten
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Sein Leben
Touko Laaksonen wurde am 8. Mai 1920 in Kaarina, Finnland, als Sohn eines
Lehrerpärchens geboren. Mit diesem Hintergrund wurde in seiner Erziehung
schon früh Wert auf Kunst, Literatur und Musik gelegt. Bereits mit
fünf Jahren spielte er Klavier und zeichnete Comics.
Finnland wird zu Zeiten seiner Kindheit mancherorts noch als Wildnis beschrieben
- dementsprechend muskulös sahen die Farmer und "Siedler"
um ihn aus. Wie also konnte es anders sein, dass ein muskulöser Farmjunge
aus der Nachbarschaft für seine frühen Comics "Modell"
stehen musste. In seiner Fantasie, mit deren Hilfe er die Bilder zeichnete,
erinnerte er sich genau an die einzelnen Muskelpartien, Sehnen und die
Statur des jungen Nachbarn...
Mit 19 Jahren ging er nach Helsinki, um dort am Kunstkolleg Werbegrafik
zu studieren. Aber auch das Klavierspielen vernachlässigte er nicht,
sondern schulte es weiter am Sibelius-Institut. In dieser Zeit fand er
weitere Inspiration - muskulöse Männer, wie Bauarbeiter, Polizisten
oder auch gut gebaute Typen der Marine. Sein stiller Traum wurde schließlich
in den Wirren des Zweiten Weltkriegs erfüllt: In den dunklen Nächten
erlebte er selbst in der Militäruniform steckend, sexuelle Abenteuer
mit anderen Soldaten. Ganz besonders angetan war er von den Deutschen
Wehrmachtsoffizieren in ihren für ihn unwiderstehlichen Reiterstiefeln.
Nach dem Krieg vollendet Touko seine Studien in Kunst und am Sibelius-Institut:
für ihn eine wieder sexuell inaktivere Zeit, da Uniformen - sein
Fetisch - seltener wurden. Nur in seinen Comics konnte er sie beibehalten.
Er arbeitete nach dem Studienabschluss in der Werbebranche oder spielte
in den Abendstunden in Piano-Bars - wurde so ein Teil der Nachkriegskünstlerszene
von Helsinki. Die Schwulenszene mied er allerdings, weil dort der Typ
des Schwulen vorzufinden war, der nicht seinen Vorstellungen entsprach
- "verweiblicht" oder "zu feminin". Er suchte statt
dessen verschiedene Cruising-Areas auf, die er ebenso auf seinen Reisen
in anderen Großstädten fand. Seinen späteren, langjährigen
Freund traf er im Jahre 1953 aber auf einer Straßenkreuzung, beinahe
vor der eigenen Haustür!
1956 sandte er unter dem Synonym "Tom" seine Comics an die US-amerikanische
Muskelzeitschrift. Dies hatte ihm ein Freund geraten und prompt erschien
auf dem Cover der Frühjahrsausgabe 1957 auf dem "Physique Pictorial"
eines seiner Bilder: ein lachender Farmer!
Die erste Ausstellung ließ noch bis 1973 auf sich warten. Das Jahr,
in dem er auch von seinen Comics finanziell leben konnte und seine Arbeit
in der Werbebranche aufgeben konnte. In der ersten Ausstellung in Hamburg
wurden leider alle Bilder, bis auf eins, gestohlen; was Tom verständlicherweise
bis 1978 davon abhielt, eine weitere Ausstellung zu machen. Weitere folgten
in Los Angeles, San Francisco, New York. Der schüchterne Finne geriet
also mehr und mehr in die (weltweite) Schwulenszene, lernte dabei viele,
spätere langjährige Freunde kennen und musste sich schließlich
bald auch keine finanziellen Sorgen mehr machen. U.a. auch weil diese
Angelegenheiten nun von dem Kanadier Durk Dehner für Tom erledigt
wurden.
1981 starb Veli, Toms Lebensgefährte, an Krebs. Auch wurde er ab
diesem Jahr mit dem Thema AIDS konfrontiert, da auch einige seiner Freunde
und Bekannte an der Immunschwäche erkrankten. Beides hatte starken
Einfluss auf sein Leben, seine Einstellungen und sein weiteres Schaffen.
Bis 1988 verbrachte er jeweils ein halbes Jahr in Los Angeles bei Durk
Dehner und eins in Helsinki. Nach der Diagnose von Lungenemphysem unterließ
er zwar das Reisen, aber zeichnete dennoch weiter seine Comics. Am 7.
November 1991 starb er an einem Schlaganfall, der von der Emphysem hervorgerufen
worden war.

Seine Comics
Tom über nackte Männer: "I almost never draw a completely
naked man. He has to have at least a pair of boots or something on. To
me, a fully dressed man is more erotic than a naked one. A naked man is,
of course beautiful, but dress him in black leather or a uniform - ah,
then he is more than beautiful, then he is sexy! [Ich zeichnete fast nie
einen komplett nackten Mann. Er muss letztlich immer noch Stiefel oder
irgendwas an haben. Für mich ist ein angezogener Mann erotischer
als ein nackter. Ein nackter man ist sicherlich wunderschön, aber
zieh ihm Leder oder eine Uniform an - ah, dann ist er mehr als wunderschön
- er ist sexy. T.O.]" (in: http://www.tomoffinlandfoundation.org/foundation/durks.html,
Stand: 24.03.2007)
Genau das findet sich in seinen Comics wieder. Es gibt nur sehr wenige
Bilder, wo die muskulösen Männer komplett nackt dargestellt
sind. Fast immer haben sie einen freien Oberkörper und eine sehr,
sehr enge Hose an, in der sich dann alles manntypische so perfekt abzeichnet.
Man sieht im Grunde sogar, wie "Er" liegt.
Die gezeichneten Männer sind immer sehr gut gebaut, sind durchtrainiert.
Oft haben sie auch Schnauzer oder Vollbärte. Es sind also "Bilder
von Männern", wie man so schön sagt. Sicher sind manche
Körperstellen übertrieben voluminös oder vergrößert
dargestellt - z.B. ist auf manchen Bildern der Penis so lang wie oder
gar länger als der Unterarm! Die Zeichnungen wirken deswegen aber
keinesfalls zu unecht, sondern immer noch erotisch und fantasieanregend.
Als Modelle wählte Tom oft gleiche Typen von Mann. Zu anfangs, wie
schon oben geschrieben: Farmer. Diese tauchten auch später wieder
auf, wenn z.B. auf einer Zeichnung ein Biker einen Farmerjungen, der am
Straßenrand steht, aufgabelt. Aber auch Sexszenen von Farmern in
der Scheune, denen ein weiterer Farmer (oder Mechaniker) zu sieht, kann
man finden.
In Toms Zeit in Helsinki kam der Einfluss der Matrosen und Polizisten.
Eine Zeichnung zeigt beispielsweise drei Matrosen, die alle tätowiert
und nur mit einer Badehose und einer der typischen Mützen bekleidet
sind. Zwei von ihnen marschieren voller Stolz und Würde an einem
anderen vorbei, der von der Ansicht erfreut an einer Rehling lehnt. Die
Wirkung der Polizisten kann man viel mehr in der gesteigerten Vorliebe
für Uniformen oder uniformähnliches erkennen. Sehr viel Einfluss
hatten auch Biker oder die "nächtlichen Gestalten" Helsinkis.
Sehr viel Leder ist später im Spiel bei der Entwicklung von Zeichnungen.
Fotos, die Tom selbst zeigen, zeigen ebenso seinen Fetisch für Leder
- denn er trägt es selbst!
Ab einer gewissen Zeit zeigt sich schließlich der Einfluss der deutschen
Reiterstiefel, die auf sehr vielen Bildern wieder zu finden sind - auch
wenn sie das einzige "Kleidungsstück" sind, was die Figuren
an haben. Da dieser Aspekt mehr auffällt als andere eben genannte
Punkte, sollen kurz zwei Zeichnungen beschrieben werden:
Auf dem ersten steht im linken Bildrand ein Farmerjunge, der nur die Reiterstiefel
und ein Base-Cap an hat. Sein Körper ist sehr wohl geformt, aber
nicht zu übertrieben - sein Glied ist halb erregiert und beträgt
da schon fast die Länge seines Unterarmes! Ihm schräg gegenüber
im rechten Vordergrund des Bildes sitzt ein etwas älterer Mann, in
Lederjacke, Ledermütze, einer engen Jeans (oder ähnliches) und
den typischen Reiterstiefeln, die bei ihm aber etwas unter der Hose verschwinden.
Sein Oberkörper ist leicht zu erkennen, der natürlich ebenso
muskulös ist. Das, was zu erkennen ist, lässt darauf schließen,
dass sich bei ihm ebenfalls "etwas" regt bzw. "genug"
vorhanden ist. Die ganze Szene spielt in einer Nische hinter der Scheune...
Auf der zweiten Zeichnung, die hier kurz beschrieben werden soll, sieht
man zwei sehr ähnlich aussehende Männer mit Schnauzbart. An
einem Polizisten in (Leder)Uniform lehnt ein nackter Mann, von dem man
die Rückansicht erkennt - einen sehr knackigen Hintern - und... genau:
die Reiterstiefel. Beide haben sie angezogen. Der Polizist hält eine
Peitsche hinter sich, wirkt sehr stabil, beschützend. Im Gegenteil
schüchtern, ängstlich und Schutz suchend wirkt der sich anschmiegende
nackte Mann. Im Hintergrund sieht man ein Haus in der Wildnis.
In ähnlicher Art sind viele von Toms Zeichnungen, doch können
sie keineswegs alle über einen Kamm geschoren werden. Ein eigener
Blick auf sie ist mehr als lohnenswert und sehr zu empfehlen!

Die Tom-of-Finland-Foundation
1984 gründeten Tom of Finland und Durk Dehner die "Tom of Finland
Foundation", um Toms mittlerweile enormen Bilderkatalog aufzubewahren.
Dies war nur der Gründungsgrund. Ein paar Jahre später sollte
die Foundation für alle erotische Kunst ein Aufbewahrungsort sein,
die einen Anlaufplatz für ihre Kunst suchten. Kunst, die die verschiedenen
sexuellen Lebensformen darstellt und die vor Diskriminierung zu schützen
ist.
Heute geht es unter anderem um die Aufklärung der Öffentlichkeit,
um die kulturelle Leistung von erotischer Kunst und um die Verbreitung
von mehr Toleranz bezogen auf Sexualität.
Schwule Comics, die die schwule Welt veränderten
In der Gründung der Foundation ist bereits sichtbar, um was es Tom
neben dem künstlerischen Aspekt mit seinen Zeichnungen noch ging.
Er wollte für mehr Toleranz gegenüber bestimmten Lebensweisen,
insbesondere sexuelle, sorgen. Er selbst konnte die damals vorhandene
schwule Szene der "Verweiblichten" nicht ausstehen und mied
sie daher auch. Durch seine Comics hat er dieses Bild stark verändert.
Nicht nur, dass die verschiedenen Fetische mehr akzeptiert sind, sie können
ebenso mehr ausgelebt und in der Öffentlichkeit gezeigt werden (
- natürlich noch im gesellschaftlichen Rahmen der Moral...)
Aber nicht nur die Fetische wollte er als akzeptabler gestalten, sondern
auch die schwule Liebe bzw. den schwulen Sex an sich. Er sagte auf die
Frage, ob er nicht ein wenig verlegen ist, dass seine Arbeiten Männer
beim Sex zeigen würden: "I work very hard to make sure that
the men I draw having sex are proud men having happy sex! [Ich arbeite
sehr hart, um klar zu stellen, dass die Männer, die ich beim Sex
zeichne, stolze Männer sind, die tollen Sex haben. T.O.]"
Comic-Gallerie und weitere Infos auf www.tomoffinlandfoundation.org!
Mar 2007 by Orid
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